Entwicklung

Auszug aus der Chronik zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im Jahre 2006:

 

125 Jahre Musikverein „Harmonie“ Steinach e.V.

„Zum Wohle der Bürger und der ganzen Gemeinde“
Von Dr. Tobias Wöhrle

„All die Unannehmlichkeiten, die der Musikverein Steinach schon durchgemacht hat, wollen wir hier nicht verewigen. Es weiß jedermann, daß es in einem Verein, den man mit einer Familie vergleichen kann, nicht immer geradeaus geht. Am meisten fehlt es immer an den nötigen Finanzen.“ Diese Sätze schrieb Georg Steiner in der Festschrift zum 45jährigen Bestehen des Musikvereins „Harmonie“ Steinach im Jahre 1926.

Die Entwicklung des Vereins war ein auf und ab. Neben personellen und musikalischen Veränderungen, verschiedenen finanziellen Rahmenbedingungen, spielten immer auch politische und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle. An dieser Stelle soll von wichtigen Stationen aus der Geschichte des Vereins berichtet werden, außerdem sollen erinnernswerte Ereignisse erwähnt werden.

Lange bevor der Musikverein gegründet wurde, gab es, wie in unzähligen Städten und Dörfern auch in Steinach, Menschen und Gruppen, die Musik gemacht haben. Vor allem bei Anlässen wie Hochzeiten, Tanzveranstaltungen, aber auch im Gottesdienst wurde gespielt. 1831 ist ein Ständchen von Steinacher Musikern anlässlich des Geburtstages des badischen Großherzogs nachweisbar und das Notenbuch des Flügelhornisten Fabian Schöner von 1867 ist bis heute erhalten. Zeitweise dominierten die Streichinstrumente, am Ende die Blasinstrumente.

Allerdings kam das gemeinsame Musizieren in den 1870er Jahren zum Erliegen. Daher entschlossen sich 1881 sechs Steinacher eine ständig zur Verfügung stehende Musikkapelle ins Leben zu rufen. Ein Verein wurde gegründet, ohne dass Statuten erlassen und ein Vorstand gewählt wurden.

Die neue Kapelle hielt regelmäßig Proben ab, zu denen der damalige Dirigent Karl Brucher aus Unterharmersbach zu Fuß nach Steinach kam. Das Geld, das man bei Auftritten erhielt, wurde weitgehend für die Finanzierung der neu angeschafften Instrumente verwendet. Erst 1895 wurde die bis dahin bestehende lose Vereinsform umgewandelt. Es wurden Statuten verabschiedet und eine Vorstandschaft gebildet, außerdem wurde festgelegt, dass die Kapelle nicht mehr als 18 aktive Musiker als Mitglieder haben sollte. Der Verein erhielt den Namen Musikverein „Eintracht“ Steinach, neuer Dirigent wurde Hauptlehrer Kilian Heitz, der die Neuorganisation der Musikkapelle initiiert hatte. Am 12. Januar 1897 wurde dann die Umbenennung in Musikverein „Harmonie“ Steinach beschlossen.

Aktive Musiker 1896:

1. Reihe: Vogt Wilhelm, Beck Josef, Kraier Josef, Buchholz Xaver sen., Buchholz Xaver jun.

2. Reihe: Schmidt Wendelin, Brucker Xaver, Brucker Matthias, Schmied Georg, Schwendemann Xaver, Heitz Kilian, Giesler Lorenz, Benz Georg, Brucker Josef, Rappenecker Josef, Beck Otto

3. Reihe: Schwendemann Medardus, Maldacker Karl, Moßmann Wilhelm, Schultheiß Augustin, Kraier Wendelin

1904 wurde die positive Entwicklung, die der Verein vor allem musikalisch bis dahin genommen hatte durch den Wegzug von Lehrer Heitz gestoppt. In den folgenden Jahren wurde die Musikkapelle von verschiedenen Dirigenten geleitet. Diese waren alle von auswärts und mussten höher bezahlt werden als der bisherige musikalische Leiter. Auch die Ausgaben für Instrumente wuchsen, so dass der Verein in finanzielle Schwierigkeiten kam. Dies führte dazu, dass man 1905 beschloss, den Verein auch für passive Mitglieder zu öffnen. Viele Steinacher traten damals dem Musikverein „Harmonie“ bei. Die Zahl der aktiven Musiker wurde nicht länger begrenzt. Damit wurde das Fundament für eine weitere Aufwärtsentwicklung des Vereins gelegt. Die Kosten für Instrumente und Noten machen bis heute den Löwenanteil der jährlichen Ausgaben des Musikvereins „Harmonie“ aus, den es auch immer wieder sicher zu stellen gilt und die ohne die Mitgliedsbeiträge nicht zu finanzieren wären.

Während des Ersten Weltkrieges wurden nach und nach alle aktiven Musiker zum Militärdienst eingezogen. Somit kam das Vereinsleben in diesen Jahren völlig zum Erliegen. Nach Kriegsende baute man die Kapelle 1919 wieder neu auf. Erstmals übernahm mit Max Maldacker bis 1924 ein Vereinsmitglied das Dirigentenamt.

1922 wurde Bürgermeister Georg Schwendemann zum 1. Vorsitzender des Vereins bestimmt, wobei sein jeweiliger Stellvertreter, der stets einer der Musiker war, die Geschäfte des Vereins führte. Auch unter Schwendemanns Nachfolger, der 1933 als Bürgermeister von den Nationalsozialisten durch Xaver Neumaier ersetzt wurde, blieb dies bis nach Beginn des Zweiten Weltkrieges so. Die Zahl der Musiker stieg in diesen Jahren an. Beim 45-jährigen Jubiläum, das 1926 mit einem großen Musikfest in Steinach gefeiert wurde, zählte die Kapelle 26 Mitglieder. Damals wurden vier verdiente Musiker zu den ersten Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt.

Von 1924 bis 1929 leitete der Biberacher Wilhelm Raißle die Musikkapelle bevor dann nach einem kurzen Zwischenspiel unter Oberlehrer Wilhelm Buntru, der wegen Krankheit recht schnell aufgeben musste, wieder Max Maldacker den Dirigentenposten übernahm.

Die Steinacher Musikkapelle umrahmte in den 1920er und 1930er Jahren immer mehr weltliche und kirchliche Anlässe in der Gemeinde und nahm an etlichen Musikfesten und auch Wertungsspielen außerhalb des Dorfes teil. Vor allem nach der so genannten Machtergreifung der Nationalsozialsten 1933 wurde die Kapelle auch bei Propagandaveranstaltungen der Gemeinde oder der Partei herangezogen. Damals begann mit der Einführung des „Tags der Arbeit“ am 1. Mai als nationalem Feiertag die Tradition der morgendlichen Maimusik auf dem Kreuzbühl, die bis heute erhalten geblieben ist. In den 1930er Jahren kamen über die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) vermehrt Urlauber ins Dorf. Da diese in der Regel in Gruppen am Steinacher Bahnhof ankamen, wurden sie dort abgeholt und auf die Gasthäuser verteilt, bei der Abreise brachte man sie wieder an den Zug und verabschiedete sie. Dabei sollte die Musikkapelle mitwirken, was aber wegen auswärts arbeitender Musiker nicht zu verwirklichen war. Der Musikverein erklärte sich aber bereit, bei den offiziellen Empfangs- und Abschiedsabenden jeweils in einem der Steinacher Lokale mitzuwirken. Hier liegen also die Ursprünge der Steinacher Kurkonzerte und Dämmerschoppen.

Aber auch das Vereinsleben entwickelte sich positiv in der Zwischenkriegszeit. Heute noch vorhandene Fotografien zeugen von gemeinsamen Ausflügen und Wanderungen, wobei in der Regel die Instrumente und die gesamten Familien der Musiker mitgenommen wurden.

Der zweite, große Einschnitt in die Entwicklung des Musikvereins „Harmonie“ war der Zweite Weltkrieg. Da viele Musiker zur Wehrmacht eingezogen wurden, war die Kapelle 1940 personell stark dezimiert und nicht mehr spiel- und auftrittsfähig. Daher wurde der Verein vorübergehend stillgelegt, wobei aber bereits Vorbereitungen getroffen wurden, um nach dem Krieg wieder weitermachen zu können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Anläufe, den Musikverein wieder zu gründen. Problematisch war dies deshalb, da alle Versammlungen, Vereinsgründungen und Vorstandsmitglieder von der französischen Besatzungsmacht genehmigt werden mussten. Im September 1946 war ein Protokoll der vorläufigen Gründung des Vereins und politische Fragebögen der Vorstandsmitglieder an den Landrat nach Wolfach geschickt worden. Dies wurde allerdings nicht akzeptiert. Daher wurde am 11. Dezember 1946 die Erlaubnis zur Abhaltung einer Gründungsversammlung beantragt. Der erste Auftritt der Musiker war bereits vor einer Wiedergründung des Vereins anlässlich der Fronleichnamsprozession 1946. Es dauerte dann noch einige Monate, so dass eine offizielle Gründungsversammlung am 11. Mai 1947 stattfinden konnte. Landolin Himmelsbach, Alfred Benz, Adolf Maldacker und Bernhard Schwendemann waren die Initiatoren. Eine neue Satzung wurde aufgestellt und beschlossen. Der damalige Steinacher Bürgermeister Josef Herr wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und Alfred Benz übernahm das Amt des Dirigenten, das er bis 1975 ausübte. Eine Zulassungsgenehmigung der Besatzungsbehörden lag zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vor. Erst mit einem Schreiben vom 24. Dezember 1947 sprach der französische Kreiskommandant die endgültige Genehmigung des Musikvereins aus und bestätigte die Eintragung ins Vereinsregister.
Mit 18 aktiven Musikern und 20 passiven Mitgliedern nahm der Musikverein nach mehrjähriger Unterbrechung seine Arbeit wieder auf. Bis 1949 stieg die Zahl der passiven Mitglieder auf 153. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ein Jahr später, nahm auch der Steinacher Musikverein eine positive Entwicklung. Neue Musiker wurden gewonnen und die Zahl der Zöglinge wuchs. Man nahm vermehrt an Musikfesten außerhalb des Dorfes teil, bei Wertungsspielen stellte man sich dem Urteil der Preisrichter und konnte den Leistungsstand stets verbessern. Aber vor allem im dörflichen Leben wirkte der Verein bei vielen kirchlichen und weltlichen Ereignissen mit, es wurden Konzerte und Dorfabende veranstaltet. Der Verein wurde von 1949 bis 1958 von Adolf Schwendemann geführt. In seine Amtszeit fiel die Konsolidierung des Vereins nach dem Krieg. Damals entschied man sich zur Anschaffung einheitlicher „Röcke und Mützen“, wie es in einem Schreiben mit der Bitte um Zuschuss an die Gemeindeverwaltung 1954 formuliert wurde. Es wurden dunkelblaue Sakkos mit dem Steinacher Wappen versehen und Schirmmützen gekauft. Damit hatte der Musikverein Steinach erstmals in seiner Geschichte eine Uniform, die an der Prozession am Fronleichnamstag 1954 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Wie auch schon in den 1920er und 1930er Jahren wurde das traditionelle Weihnachtskonzert am Stefanstag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, wieder durchgeführt. Es fand in der Regel im Vereinslokal, dem „Gasthaus zur Sonne“ statt und entwickelte sich zum Höhepunkt eines jeden Vereinsjahres. Zur Tradition gehört schon immer eine Verlosung, anfangs als „Christbaumverlosung“ später als „Glückshafen“ bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten blieb die „Tombola“ ein wichtiges Ereignis eines jeden Jahreskonzertes, das bis 2002 am 26. Dezember veranstaltet wurde. Seither findet es jeweils am Samstag des letzten Adventswochenendes statt.

1956 wurde das 75jährige Jubiläum des Musikvereins „Harmonie“ Steinach mit einem großen Fest gefeiert. Viele tausend Besucher kamen zum großen Festumzug, an dem neben dem Jubelverein 32 Musikkapellen teilnahmen. Danach sammelten sich alle anwesenden Kapellen zu einem Massenchor aus etwa 1000 Musikern im Festzelt. Mit diesem Fest kann die Wiederaufbauphase des Vereins als abgeschlossen betrachtet werden.

1958 übernahm Rudolf Schmieder das Amt des ersten Vorsitzenden. Ein Jahr später wurde die Satzung geändert, worin von nun an festgeschrieben war, dass der 1. Vorsitzende des Vereins ein aktiver Musiker sein musste. Die Jugendarbeit wurde ausgebaut, die Ausbildung lag in den Händen von Alfred Benz. Die Zahl der Musiker wuchs, mehr Instrumente und Uniformen wurden benötigt, wozu ein größerer finanzieller Aufwand notwendig war. Das Vereinsleben wurde intensiver, die Ausflüge und Konzertfahrten wurden häufiger und führten die Mitglieder in weiter entfernte Orte und Gegenden. Vor allem die Amtszeit von Karl Kasper, der von 1962 bis 1975 dem Musikverein vorstand, war von diesem Aufschwung geprägt.

In den 1950er und 1960er Jahren wurden neben dem Weihnachtskonzert das vom Musikverein veranstaltete Strandfest im Kinzigvorland und der Kappenabend im Vorfeld der Fasnacht zu wichtigen Veranstaltungen des Vereins im Jahreslauf. Im dörflichen Leben bereicherte die Musikkapelle kirchliche Veranstaltungen wie die Erstkommunion, die Fronleichnamsprozession und die Prozession am Hl. Kreuzfest, dem Steinacher Patrozinium. Einige Zeit später kam auch die Teilnahme an der Totengedenkfeier an Allerheiligen auf dem Friedhof dazu. Der Volkstrauertag, der vor dem Zweiten Weltkrieg als Heldengedenktag gefeiert wurde, gehörte zu den Pflichtterminen des Vereins. Außerdem spielte man bei Jubiläen, Festen und Feiern anderer Vereine im Dorf und immer wieder waren Geburtstage oder Hochzeiten Anlass zu Ständchen bei Mitgliedern des Vereins. Eine 1962 ins Leben gerufene Tanzmusikabteilung der Kapelle trat bei etlichen Anlässen auf.
Auch an der Fasnacht beteiligten sich die Musiker aktiv. Eine für das Fasnachtsspiel „Der Geroldsecker“ 1952 geschriebene Fanfare wird bis heute als Vorspiel zum Narrenmarsch „Hans blieb do“ gespielt. Den Steinacher Fledermausmarsch, der von Dirigent Alfred Benz komponiert wurde, hat man am Kappenabend des Musikvereins im Februar 1968 erstmals dem Publikum vorgestellt. In diesen Jahren begann man auch damit, die Narrenzunft zu Narrentreffen zu begleiten.
Als in den 1970er Jahren der Campingplatz eingerichtet wurde und die Zahl der in Steinach weilenden Urlauber stetig wuchs, wurden Kurkonzerte eingeführt, die regelmäßig stattfanden. Außerdem wurden Platzkonzerte veranstaltet und zeitweise beteiligten sich die Musiker an Heimatabenden. Aber immer waren auch besondere Anlässe Grund für Auftritte des Vereins bei Jubiläen, Festakten, bei Beerdigungen verdienter Persönlichkeiten, nach Bürgermeisterwahlen oder auch 1966 bei der Einweihung des neuen Schulhauses. Der Verein entwickelte sich so zu einem der Kulturträger der Gemeinde
1969 konnten mit 22 Zöglingen so viele Nachwuchsmusiker wie nie zuvor auf einmal in den Verein aufgenommen werden, von denen aber nach zwei Jahren nur noch 12 übrig waren. Die Jugendausbildung übernahm 1971 der Vizedirigent des Vereins, Dieter Dold. 1973 traten 19 Jungmusiker erstmals unter dessen Leitung eigenständig beim Jahreskonzert auf, das damals zum ersten Mal in der Turn- und Festhalle stattfand. In den folgenden Jahren wurden viele Zöglinge ausgebildet, so dass die Jugendkapelle 1975 aus 33 Musikern bestand, die nach und nach auch in die Gesamtkapelle integriert wurden.

Nach fast 30 Jahren übergab Alfred Benz den Taktstock an Dieter Dold, der 1951 in den Verein eingetreten und von Alfred Benz ausgebildet worden war. Mit Dieter Dold hatte ein Mann die musikalische Leitung des Vereins übernommen, der sich schon viele Jahre in der Vorstandschaft engagierte und vielen Jungmusikern vor allem das Klarinettespielen beibrachte. Vizedirigent Peter Schwendemann übernahm die Blechbläserausbildung. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wuchs die Zahl der Musiker vor allem durch junge Nachwuchsmusiker. Unter Dieter Dold studierte die Musikkapelle neue Blasmusikstücke ein, der Leistungsstand bewegte sich konsequent nach oben. Den Vorsitz hatte von 1975 bis 1984 Eduard Halter inne.

Als im Herbst 1976 eine Partnerschaft zwischen Steinach und der französischen Gemeinde Lay-Saint-Christophe bei Nancy ins Leben gerufen wurde, war der Musikverein „Harmonie“ bereits bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages dabei. Seither waren die Steinacher Musiker immer wieder zu Besuchen in Lay und auch wenn Delegationen aus der Partnergemeinde in Steinach weilten, trug der Verein zur musikalischen Umrahmung bei. Die Fahrten nach Lay waren alle Ereignisse, über die noch lange erzählt wurde. Zu den berichtenswerten Dingen gehörte auch ein Konzert auf dem Place Stanislaus in der Innenstadt von Nancy. Im Protokollbuch des Musikvereins wurde beispielsweise der Besuch in Lay 1986 als „feucht-fröhliches Wochenende“ bezeichnet. Die Musiker sind immer gerne in die Partnergemeinde gefahren und auf diese Weise entwickelte sich auch manch tiefere Freundschaft zwischen französischen und deutschen Familien.
Aber auch bei Wettbewerben und Veranstaltungen anderer Vereine im Dorf beteiligte sich der Musikverein. Es gehört bis heute zu den großen Erfolgen der Musiker, dass 1970 das erste Ortsturnier des Sportvereins Steinach gewonnen wurde, was nie wieder gelang.

1981 wurde das 100jährige Bestehen des Vereins mit einem großen Musikfest gefeiert. Im Vorfeld des Jubiläums wurden neue Uniformen angeschafft, die noch heute getragen werden.

Im Jahr darauf übernahm der junge Musikstudent Helmut Dold das Dirigentenamt von Dieter Dold, der als Vizedirigent und Ausbilder weiterhin dem Verein ehrenamtlich zur Verfügung stand. Mit dem Trompeter Helmut Dold entwickelte sich der Musikverein weiter. Das Repertoire der Kapelle wurde moderner und wie bei vielen anderen Vereinen fanden auch elektronische Instrumente ihren Weg ins Blasorchester. 1984 nahm man an einem Wertungsspiel erstmals in der Oberstufe teil und erreichte ein hervorragendes Ergebnis. Auch kameradschaftlich wurde Helmut Dold, der Kuhbacher Metzgersohn, bestens in den Verein integriert. Durchs Konzertprogramm führte er stets selbst und er entwickelte sich zum Schwarm manch junger Dame oder möglicher Schwiegermutter.

1985 wurde Werner Müller zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Neben den Jahreskonzerten bemühte sich der Musikverein ein zweites Konzert im Dorf zu etablieren, außerhalb der üblichen Auftritte bei Festen anderer Vereine oder sonstigen weltlichen und kirchlichen Anlässen. 1985 und 1988 wurden Wunschkonzerte durchgeführt, deren Programmgestaltung im Vorfeld bei den interessierten Steinachern ermittelt wurde. Ein Doppelkonzert 1986 in Waldulm wurde eine Woche später in Steinach wiederholt. Allerdings waren diese Konzerte im Frühjahr im Vergleich zum stets ausverkauften Weihnachtskonzert nicht allzu gut besucht.

Erwähnenswert sind auch die Mitwirkung bei den großen Jubiläen des Männergesangvereins Steinach 1985 und der Freiwilligen Feuerwehr 1986, wobei hier der Große Zapfenstreich aufgeführt wurde. Zu den denkwürdigen Veranstaltungen der 1980er Jahre gehörte aber auch der 60. Geburtstag von Bürgermeister Helmut Belli, der im Steinacher Schwimmbad gefeiert wurde und für manchen Musiker „freiwillig oder auch unfreiwillig“ im Schwimmbecken endete. Außerdem sind die Mehrtagesausflüge nach Brand in Vorarlberg und an den Genfer See zu erwähnen, aber auch einige Familiennachmittage mit Wanderung und Grillen im Vereinskreis. 1989 feierte Steinach sein 850jähriges Bestehen. Der Musikverein beteiligte sich sowohl an der Bewirtung als auch musikalisch an den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr.

Anfang Januar 1991 beendete Helmut Dold seine Tätigkeit als Dirigent des Musikvereins „Harmonie“ Steinach. In den folgenden Wochen übernahm Peter Schwendemann die Probenarbeit, bis ein neuer Dirigent gefunden war. Nach dem Probedirigieren der Bewerber entschieden sich die Musiker für den aus Berghaupten stammenden Saxophonisten Helmut Walter. Mit ihm zog ein etwas anderer Musikstil ein. Vor allem die Jugendausbildung wurde verbessert und ausgebaut, um nach und nach wieder mehr Zöglinge in die Kapelle aufnehmen zu können. Auch die Führung des Vereins wechselte. Fritz Müller übernahm den Posten des 1. Vorsitzenden. Nach turbulenten Wochen und Monaten kam der Verein so wieder in ruhigeres Fahrwasser. Größere Anschaffungen, wie der Kauf neuer Instrumente und einer Beschallungsanlage, belasteten die Kasse des Musikvereins schwer. Bei den Jahreskonzerten wurden stärker Spezial- und Lichteffekte eingesetzt, um die Musikstücke zu betonen. Auch gesangliche Elemente fanden ihren Platz bei der Stückeauswahl.
Erwähnenswert sind in dieser Zeit ein Benefizkonzert zugunsten des abgebrannten Hauses auf dem Kohlberg 1993 und ein Jahr später ein Konzert auf einem Fest in Achern dessen Erlös Ortenauer Behindertenvereine zu Gute kam. Zu Doppelkonzerten war der Musikverein Steinach in Ottenheim und Gengenbach zu Gast. Der letzte Auftritt unter der Leitung von Helmut Walter war ein Doppelkonzert gemeinsam mit der Musikkapelle Welschensteinach in der Allmendhalle am 30. April 1995.
Die Nachfolge trat der Wolfacher Joachim Riester an. Im gleichen Jahr wurde die Führungsstruktur des Musikvereins geändert. Seit 1995 sind die Funktionen des ersten und zweiten Vorsitzenden auf drei gleichberechtigte Vorstände verteilt. Das erste Team neuer Prägung setzte sich aus Bernd Schwendemann, Bernd Himmelsbach und Martin Moser zusammen. Bernd Himmelsbach wurde 2001 von Daniel Offenburger abgelöste, der nach dem Ausscheiden von Dieter Dold auch das Amt des Vizedirigenten innehat. Bernd Schwendemann schied 2003 aus dem Vorstandgremium aus. Die zwei Jahre lang vakante Position übernahm 2005 Roland Himmelsbach.

Mit dem ersten Jahreskonzert unter der Leitung von Joachim Riester bewies die Kapelle ihre Leistungsfähigkeit. Das Konzert wurde am Dreikönigstag 1996 im Kurhaus in Bad Rippoldsau wiederholt. Als legendäre Veranstaltung gilt in Musikerkreisen bis heute das Doppelkonzert mit der Musikvereinigung Großheppach im Remstal. Nachdem sich der Verein im Schwäbischen von seiner besten Seite gezeigt hatte, nutze man sogar noch die nächtliche Busfahrt, um zu feiern. Obwohl man erst in den frühen Morgenstunden wieder in Steinach war, stand die Musikkapelle an diesem Weißen Sonntag vollzählig am Pfarrheim zur Abholung der Erstkommunikanten.

Ein weiterer Versuch, ein zweites Konzert im Jahreslauf zu etablieren, war die Durchführung eines Wunschkonzertes 1996. Es zeigte sich aber wiederum, dass das Interesse des Publikums nicht allzu groß war. Ein paar Jahre später wurde entschieden, den Steinachern ein Kirchenkonzert zu bieten, was eine gute Resonanz hervorrief.

Nach längerer Zeit entschied die Vorstandschaft, im Herbst 1996 erstmals wieder einen zweitägigen Ausflug durchzuführen. Man fuhr nach Sonthofen ins Allgäu, wo eine kleine Rafting-Tour auf der Iller den Höhepunkt der Fahrt darstellte. Außerdem wurden in den folgenden Jahren immer wieder gemeinsame Kameradschaftstage begangen. Dirigent Joachim Riester hatte keine Problem sich in den Verein einzufinden. Der ehemalige Berufsmusiker, der bei der Bundeswehr studiert hatte, gewann schnell die Sympathien der Musiker. Dies wirkte sich auch positiv auf den Leistungsstand der Kapelle aus.
Ende der 1990er Jahre wurde eine kleine Besetzung aus Musikern des Vereins gebildet, die ebenfalls unter der Leitung von Joachim Riester stand. Diese Formation dient seither zur musikalischen Bereicherung bei vereinseigenen Festen, aber auch bei anderen Veranstaltungen, wodurch die Gesamtkapelle entlastet werden konnte.

Das letzte große Projekt unter Joachim Riester war die Wiedergründung einer Jugendkapelle, nachdem die Zahl der in Ausbildung stehenden Jungmusiker groß genug war, um einen eigenständigen Klangkörper zu bilden. Dies konnte 2001 verwirklicht werden. Seit 2002 tragen die Jungmusiker zu Beginn des Jahreskonzertes mit einigen Stücken zum Programm bei.
Nach über siebenjähriger Tätigkeit hatte Joachim Riester den Entschluss gefasst, sich musikalisch verändern zu wollen und kündigte daher an, den Verein zum Jahresende 2002 zu verlassen und sich mit dem Jahreskonzert zu verabschieden.
Als Nachfolger entschieden sich die Musiker für den ungarischen Posaunisten Sandor Szöke als neuen Dirigenten, der seither musikalischer Leiter des Musikvereins „Harmonie“ Steinach ist. Seinen Einstand gab er 2003 mit einem geistlichen Konzert in der Heilig-Kreuz-Kirche, das 2002 noch unter Joachim Riester erstmals veranstaltete worden war.

Einen wichtigen Termin im Jahreslauf des Musikvereins stellt seit vielen Jahrzehnten das Sommerfest dar. Nachdem das traditionelle Strandfest Anfang der 1980er Jahre an den Steinacher Sportplatz verlegt worden war, findet das Sommerfest seit einiger Zeit nun auf dem neuen Festplatz an der Kinzigbrücke statt. Dabei hat man stets auch darauf geachtet, dem Publikum hochkarätige und zum Teil international bekannte Künstler zu bieten. Vor allem seit der Begründung des „Steinacher Musiksommers“ traten so zum Beispiel Gloria, Vlado Kumpan, die Blaskapelle Makos, d’Rhinwaggis oder im Zuge des Fröhlichen Alltags des SWR auch Slavko Avsenik und Oswald Sattler in Steinach auf. Nicht zu vergessen sind dabei die legendären Auftritte der Original Steinacher Homberle Bläch Bänd. Doch auch ein zweites, kleineres Fest, das Anfangs als Mühlenfest an Vögeles Mühle im Niederbach durchgeführt wurde, wird jährlich als Frühlingsfest am Rathaus in der Ortsmitte abgehalten. Daneben lädt die Musikkapelle Einheimische und Urlauber in den Sommermonaten zu einigen Dämmerschoppen beim Rathaus ein. Die Veranstaltungen des Musikvereins haben einen festen Platz im Kulturleben des Dorfes.

Die Leistungen und die Entwicklung des Vereins seit dem 100jährigen Jubiläum können sich durchaus sehen lassen. Die Feiern zum 125. Geburtstag sollen daher in einem würdigen Rahmen stattfinden. Am Anfang dieser kleinen Vereinschronik kam Georg Steiner zu Wort und damit soll diese auch enden: „Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der Musikverein Steinach weiter blühe und gedeihe, was nur durch Einigkeit erzielt werden kann. Dem Musikverein „Harmonie“ Steinach ein: Glück auf.“

Ergänzung (nach 2006):

In der Nachfolge von Sandor Szöke steht der Musikverein seit dem Jahre 2006 unter der musikalischen Leitung von Clemens Meier. Er ist Trompeter und Flügelhornist, stammt aus dem Seelbacher Ortsteil Wittelbach im Schuttertal, absolvierte seinen Grundwehrdienst im Heeresmusikkorps 4 in Regensburg als Musiker und war von 1993 bis 2002 Dirigent seines Heimatvereins in Wittelbach. Unter seiner Regie nahm der Musikverein inzwischen an zwei Wertungsspielen teil, veranstaltete neben den Jahreskonzerten bereits vier Kirchenkonzerte in der Steinacher Heilig-Kreuz-Kirche und konnte seinen Leistungsstand stetig verbessern.

Anstelle eines Sommerfestes wird seit dem Jahr 2009 jährlich am 3.Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, die inzwischen weit über die Grenzen der Gemeinde bekannte und beliebte „Kulinarische Mostwanderung“ veranstaltet. Hier kann nicht nur die schöne Landschaft rund um Steinach erwandert und typische Schwarzwälder Spezialitäten wie zum Beispiel leckerer Most genossen werden, auch im und am Festzelt ist mit einem ganztägigen musikalischen Programm sowie einem großen „Oldtimer Traktortreffen“ immer einiges geboten.